Ein Frühstück ist in USA üblicherweise nicht in der Übernachtung in Motels und kleinen Hotels enthalten. Wenige Ketten bieten schlechtes süßes Zeug an, größere teurere Hotels auch mal was besseres. Bei der Cliffrose Lodge ist es nicht dabei, doch in der Lobby, einem extra Raum, in dem die Rezeption untergebracht ist, steht Kaffee und heißes Wasser für Tee bereit. Nötig wäre das nicht, denn die Zimmer haben „Tea and Coffee making facilities“ – oder auch nur kurz – eine Padmaschine.

Mit einem Kaffee ziehen wir bei Sonnenaufgang los. Der Fußgängereingang von Zion ist nur wenige hundert Meter weg. Das Wetter ist nicht so toll, die Morgensonne wird schnell von Wolken überdeckt, doch es soll trotz der aufziehenden Bewölkung auch nicht regnen. Mit einem der ersten Shuttles fahren wir los. In Anbetracht der Versammlung von Regenjacken haben wir erst Bedenken, doch wir glauben dem Wetterbericht und hoffen. Im Shuttle dann die Durchsage, dass Angels Landing, einer der höchstgelegenen Trails, wegen angesagten Schauern gesperrt ist. Wir wollten sowieso nicht hin, doch viele andere sind enttäuscht. Die Fahrerin reagiert sofort und gibt alternative Trail-Tipps mit dem Hinweis, dass man nicht unbedingt auf Angels Landing muss, es gäbe noch viele andere, sogar schönere Ecken. Wir denken uns, werden wir eben nass.

An der Zion Lodge steigen wir aus. Der Plan sieht vor, den Emerald Pools Trail, zumindest den unteren, zu gehen, und dann mal sehen. Über eine Brücke überqueren wir den Virgin River, und schon bald hat uns die Natur verschluckt. Nur wir und der Trail. Wir erfreuen uns daran und an der Tatsache, dass wir früh los sind. Gut 45 Minuten laufen wir, unterbrochen durch Fotopausen, bis zu den Wasserfällen, die nach dem trockenen Sommer nur noch ein Rinnsal sind. Der Weg ist schön, die Aussicht auch, aber von den Emerald Pools sind wir etwas enttäuscht. Wir beschliessen, bis zu den oberen zu gehen, ein Trail, der als schwer und steil auf dem Plan des Parks aufgeführt ist.

Der Trail bis zum mittleren Emerald Pool ist kurz. Nach einer Biegung machen wir auf einer Bank erst mal Frühstück. Wir hatten uns am Vorabend etwas gekauft und natürlich auch mitgenommen. Bänke sind an den Wegen rar, nötig sind sie aber wohl auch nicht. Ein kurzes steiles Stück auf dem Treppenstufen, die in den Fels gehauen sind, geht es aufwärts, dann etwas klaustrophobisch zwischen einigen Felsbrocken hindurch, die von unten noch so klein aussahen, uns aber jetzt überragen, und noch ein Stück über sandigen Boden. Schon sind wir da und sehen, wo das Rinnsal herkommt.

Zum oberen Emerald Pool ist es anstrengender. Der Pfad ist zwar steil, geht über Steine und Sand, doch schwer ist es nicht, wenn man sich Zeit lässt. In weiter Ferne ragt eine Felswand steil nach oben, wir vermuten, dass wir bis darunter müssen. Der Weg wird voller, und einige Gruppen eilen an uns vorbei. Wir fragen uns warum. Wer nur den Weg entlang hastet, bekommt doch nichts von der Natur um sich herum mit. Mit nach unten geneigtem Kopf streben sie nach oben. Sollen sie. Wir lassen uns Zeit, machen Bilder, und gucken immer wieder um uns. Und wir sind immer noch von der Landschaft fasziniert. So dauert es dann auch eine ganze Weile bis wir oben sind, direkt unter der steilen Felswand. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was passieren würde, wenn jetzt oben einer der Brocken abbricht. Unter den Felsen ist ein kleiner Teich, vielleicht zwanzig Zentimeter tief. Außer der Spiegelung nicht beeindruckend. Doch der Weg ist ja das Ziel, und den haben wir genossen.

Nach einer Pause mit einer kleinen Mahlzeit machen wir uns wieder an den Abstieg. In einer losen Gruppe mit zwei anderen Paaren geht es abwärts. Die meiste Zeit ist jedes Paar für sich, doch durch kleine Pausen überholt man sich mal hier oder da, und ein paar Wortwechsel und Scherzereien gehen durch die Runde. Am mittleren Emerald Pool schlagen wir den Weg nach The Grotto ein. Das ist der Haltepunkt des Shuttles nach der Zion Lodge. Geplant war es nicht, doch wir haben noch genügend Zeit für den Tag. Der Weg windet sich über dem Virgin River entlang bis er am Ende abfällt und eine Brücke uns wieder zur Strasse führt. Wenn wir es genau nehmen, sind wir vier Trails gegangen. Der Emerald Pools Trail ist in drei Wege unterteilt,und der Kayenta Trail führt bis The Grotto. Während wir auf das Shuttle warten um weiter nach oben zu fahren, sehen wir uns die Parkkarte an und stellen fest, dass der Park noch zwei weitere Abschnitte hat, die über getrennte Zufahrtsstrassen erreichbar sind. Spontan ändern wir den Plan und nehmen das Shuttle nach unten zurück zum Besucherzentrum.

Wir holen das Auto und verlassen Springdale nach Westen. Wir fahren bis Virgin und verpassen natürlich die Abfahrt. An einem alten Buchladen wenden wir und biegen dann gleich in die Kolob Terrace Road ab. Ich würde die Strecke als spannend bezeichnen. An ein paar Farmen vorbei geht es erst mal bergauf bis wir auf einem Plateau ankommen. Hier gehen ein paar Seitenstrassen wieder steil nach unten und führen zu Farmen. Immer wieder kommt die Strasse den Abhängen sehr nahe. Die Leitplanken, spärlich gesät, bestehen mehr aus Rost als aus allem anderen. Nach einer Weile, zwanzig Meilen sind es insgesamt bis zum Kolob Reservoir, stehen wir vor einem Zion National Park Schild. Doch keine Kasse, keine Karte vorzeigen. Hier kann man einfach hineinfahren und auch auf die Trails gehen, ganz ohne zu bezahlen. Deutlich ist an der Strasse zu sehen, wo Nationalpark ist und wo nicht. Im Park ist der Asphalt rostrot, draussen dunkelgrau. Die fehlende Kasse erklärt sich schnell, denn immer wieder wechselt die Parkstrasse zwischen Nationalpark und privatem Land. Auch hier sind wieder die Eschen mit den gelben Blättern weit verbreitet, die wir schon am Grand Canyon bewundert haben.

Viel Weite ist von hier oben zu sehen. Wir sind über dem Zion Canyon, man kann zwar nicht hineinsehen, aber es erahnen. Und trotzdem ragen neben uns noch alte Vulkankrater, nur noch als buckelige Hügel zu erkennen, aus der Landschaft. Immer weiter windet sich die Strasse, teils an die Hänge geschmiegt, nach oben. Nach einer Weile kommen wir am Kolob Reservoir an. Wir wundern uns, dass es hier oben auf über 2400 Meter noch so viele Farmen gibt. Richtig besiedelt ist es hier. Wir fahren noch zum Lava Point. Die Strasse ist knapp zwei Meilen lang, nicht asphaltiert und teilweise doch sehr löchrig. Am Ende erwartet uns ein Camping-Platz. Von hier hat man den vollen Überblick über Zion. Unter uns erstrecken sich Basalt-Felder. Mal wieder, ein atemberaubender Ausblick.

In der Ferne ziehen dunkle Wolken auf. Wir beschliessen, es dabei zu belassen und besteigen das Auto. In stärker werdendem Wind halten wir auf halber Strecke noch ein mal an und bauen das Stativ auf. Eine Panorama-Aufnahme müssen wir noch machen. Auf dem Weg zurück sammeln wir noch die Caches an der Strecke ein. Das Abendessen gibt es wieder im Flying Monkey. Die Pizza hier ist richtig lecker, auf Experimente hatten wir keine Lust mehr.