Von Hamburg bis Hawaii

Unterwegs in aller Welt

USA2012 – Tag 6 – Springdale -> Bryce Canyon

Nun ja, Pläne, das ist so etwas, das man einfach verwerfen kann. So wie wir an diesem Tag.

Der Ursprungsplan war, wieder über die Utah 9 durch Zion nach Osten zu fahren, dann den Highway nach Norden, und schwupp wären wir in Bryce gewesen. Das ist eine recht kurze Strecke und vom Zeitbedarf auch gut zu überblicken. Doch auf der Karte entdeckten wir Cedar Breaks nördlich von Zion, was ganz nett sein sollte, und westlich war da noch der Kolob Canyon, der noch zum Zion National Park gehörte. Also warfen wir den Plan um und fuhren in die Gegenrichtung, bis Virgin wie am Vortag und dann einfach weiter.

Über Toquerville ging es auf die Interstate 15 und dann weiter nach Norden in Richtung Salt Lake City. Kolob Canyon hat eine eigene Abfahrt. Direkt an der Abfahrt ist das Besucherzentrum. Hier kann man dann innerhalb von sieben Tagen nach Kauf des Zion-Tickets ohne zu zahlen rein. Oder, wie wir, man zeigt seinen National Park Pass vor. Vom Besucherzentrum führt eine kurvige Strasse nach oben. Wie wir es von Zion schon kannten, gibt es reichlich Aussichtspunkte mit kleinen Haltebuchten, auf halber Strecke ist ein größerer Parkplatz. Und ganz oben natürlich auch noch einer.

Das Bild, das sich in Kolob Canyon bietet, ist ähnlich wie in Zion Canyon. Hohe Berge, steile Felsen und Täler. Auch Trails gibt es hier, aber die lassen wir aus weil wir noch weiter müssen. Auf dem Weg nach oben ist es noch sonnig. Doch auf dem letzten Haltepunkt vor dem obersten Ende der Strasse ziehen Wolken auf. Wir bestaunen die hängenden Gärten an den Felswänden gegenüber. An abgerutschten Stellen hat sich hier die Natur angesiedelt und teilweise stehen große Bäume an den Hängen. An den Spitzen der Berge bleiben die ersten Wolken hängen. Schnell fahren wir ganz nach oben und bestaunen etwas, was ich noch nie gesehen habe. Wir sind genau so hoch wie die Wolken, die gegenüber an den Felsen hängen und versuchen, sich darüber zu zwängen. Rechts von uns ziehen die Wolken auf uns zu. Der einzige andere Tourist, der von hier oben Bilder macht, flüchtet schon mal sicherheitshalber.

Auch wir überlegen nicht lange und fahren wieder los. Gerade rechtzeitig bevor die Bergspitze auf der wir stehen von Wolken umschlossen wird.

Auf halber Höhe, auf dem größeren Parkplatz bleiben wir stehen und essen erst mal was. Im Tal, das von hier ab geht, fangen die Wolken an, sich zu stauen und füllen es fast komplett aus. Ein beeindruckendes Naturschauspiel war das Ganze, auch wenn es auf den Bildern recht harmlos aussieht. Jetzt fallen auch die ersten Regentropfen.

Weiter geht es wieder über die I15, doch wir fahren bald auf den „Old US Highway 91“. Autobahnromantik muss nicht sein und wir denken, auf den alten Highways sehen wir mehr. Dummerweise schüttet es jetzt und mit der Sicht hat es sich. In Cedar City tanken wir noch mal zur Sicherheit und folgen dem Highway 14 nach Osten. Das Cedar Breaks National Monument ist das Ziel. Dafür müssen wir aber wieder auf den Berg. Aus der Stadt raus hört der Regen auf, doch an den ersten Steigungen fallen schon wieder dicke Tropfen vom Himmel.

Zuerst trauen wir unseren Augen nicht, als sich Schneeflocken in den Regen mischen. Der Höhenmesser des GPS zeigt 2.700 Meter an als der Schneeanteil sich durchsetzt. Um uns herum bleiben sogar die ersten Schneeflocken liegen. Wir hoffen, dass es nicht weiter nach oben geht. Auf 2.800 Meter ist es dann weiss um uns herum, doch auf der Straße lässt sich noch gut fahren. Erste Zweifel und die Frage ob man in Las Vegas in der Wüste bei den Autovermietern Winter- oder Allwetterreifen aufzieht. Lange dauert es nicht, wir sind inzwischen auf 2.900 Meter, und der Schnee bleibt als dicke Schicht auf der Strasse liegen. Die ist inzwischen komplett weiss, und durch das Schneetreiben ist die Sicht auch nicht besonders. Ich schalte auf Vierradantrieb um, Heckantrieb auf schneeglatten Strassen muss nicht sein. Während wir langsamer werden, um sicherer zu fahren, lassen sich die ersten Einheimischen erkennen. Es sind die dicken Pick-Ups, die überholen. Erst als auf der anderen Strassenseite ein Fahrzeug quer steht fahren auch sie langsamer. Wir kommen langsam auf die Abfahrt nach Cedar Breaks zu. Das GPS zeigt 3.000 Meter. Die Schneeschicht ist mehrere Zentimeter dick. Wir beschliessen, den Abstecher aus zu lassen und hoffen, dass wir nicht noch höher kommen.

3.001 Meter ist die höchste Angabe, die unser GPS zeigt. 3.001 Meter Höhe, mit dem Auto, das haben wir noch nie gemacht. Der Verlauf der Strasse führt uns über eine Hochebene und Winterwunderland. Erst nach einer ganzen Menge Meilen geht es wieder abwärts. Langsam wird es wieder grauer um uns herum und in Duck Creek Village ist von Schnee plötzlich nichts mehr zu sehen. An dem Abzweig auf den Highway 89 halten wir an der Tesoro Tankstelle. Wir brauchen einen warmen Kaffee nach der wirklich anstrengenden Fahrt. Es ist nicht so, als wären wir noch nie auf Schnee gefahren, doch mit einem unbekannten Fahrzeug in unbekannter Gegend mit unbekannten Reifen im Schneesturm, das ist etwas anderes. Ein Blick auf die Reifen sagt Allwetterreifen. Bei einer kurzen Unterhaltung in der Tankstelle fällt noch der Satz „Das geht jetzt noch sechs Wochen so, dann kommt der richtige Schnee.“ Hier hatten wir das Wetter, das wir für den North Rim befürchtet hatten.

Auf der 89 nach Norden geht es dann auf die 12 nach Bryce. Wir machen noch einen kurzen Stopp am Red Canyon, doch das Wetter ist nicht gut genug, um hier länger zu bleiben. An einem Parkplatz gegenüber des Bryce Canyon Airports halten wir noch ein mal kurz. Der Regen hat inzwischen wieder aufgehört und an den entfernten Bergen ist jetzt eine weisse Schneekappe zu sehen. In Bryce Canyon City verschwinden wir im Best Western Rubys Inn und verlassen es nur noch mal kurz für einen Burger im Canyon Diner.

Die Sonne ist inzwischen untergegangen. Die Fahrt hat länger gedauert als gedacht und im Nachhinein war es sogar ein lustiges Erlebnis.

Previous

Kolob Terrace & Kolob Canyons

Next

USA2012 – Tag 7 – Bryce Canyon

1 Comment

  1. Carsten

    Cedar Breaks stand ursprünglich auch auf unserer Liste. Nach Rücksprache mit der Verwandtschaft war aber schnell klar, dass „Closed May“ als Anmerkung an der Straße keine bloße Floskel ist, sondern euer Schnee mit ziemlicher Sicherheit auch noch liegt, wenn wir im Mai drüben sind.

Schreibe einen Kommentar

Protected with IP Blacklist CloudIP Blacklist Cloud

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén