Es ist kalt und windig. Duster ist es auch noch als wir das Hotel verlassen. Zuvor haben wir uns im dazugehörigen Geschenke- und General-Store einen Kaffee und ein paar Donuts gekauft. Gar nicht mal teuer sind sie, wenn man bedenkt, dass dies hier oben der einzige Laden ist. Es ist gerade hell genug und die Sonne kommt raus, als wir am Besucherzentrum des Bryce National Parks ankommen. Hier gibt es nicht nur viele Auskünfte und Souveniers sondern auch noch kostenfreies WLAN.

Mit fast Null Grad draussen haben wir uns in die Jacken gehüllt, während wir in den Bryce Canyon National Park hinein fahren. Bis Ende September wären Shuttle-Busse, wie in Zion, gefahren, doch jetzt ab Oktober muss man sich im Winterbetrieb selbst fahren. Im Winter können dann auch mal Strassen gesperrt sein. Wir haben Glück und alle sind offen. Der Schneesturm kam nicht hier her. Während es erst mal eben in den Park geht, liegen links auch schon die ersten Aussichtspunkte. Am ersten halten wir und machen ein paar Fotos. Dann beschliessen wir, bis zum Ende durch zu fahren um die Chance auf möglichst wenig Menschen zu haben. Unterwegs treffen wir noch eine Gruppe Wapitis, die sich an die Strasse getraut hat und hier für einiges an Aufregung sorgt. Alle halten und müssen fotografieren.

Am Rainbow Point liegt noch etwas Schnee auf den Spitzen und den Geländern. Da, wo die Sonne noch nicht hin kam. Auf den alten Kiefern ist der Schnee geschmolzen und es fühlt sich teilweise wie Regen darunter an. In eisiger Kälte und schneidendem Wind packen wir das Stativ aus. Wir machen ein Panorama weil wir glauben, vom höchsten Punkt sieht man das meiste. Doch wir sollten uns irren.

Langsam fahren wir wieder zurück. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich aber auch sehr schön. Gelb belaubte Eschenwälder, die alten Kiefern oben, hier und da auch ein paar abgebrannte Ecken, zwischen durch immer mal wieder Schnee und natürlich die in allen Farben leuchtenden Hoodoos, die Felsspitzen, die Bryce so berühmt machen. Immer wieder halten wir an und machen Fotos.

Wir kommen am Inspiration Point an. Dies soll der schönste Aussichtspunkt sein und entsprechend viele halten hier an. Ja, der Anblick hier ist durchaus schön und man sieht eine Menge vom Amphitheater, wie diese Ecke mit den vielen Felsspitzen genannt wird. Doch, und das machen dann nicht so viele, wer zum Bryce Point weiter fährt, der hat Bryce Canyon erst richtig gesehen.

Vom Bryce Point hat man den Deluxe Rundum Blick. Allerdings, das muss ich einschränken, nicht direkt unten vom Aussichtspunkt. Um da hin zu kommen muss man erst einen kleinen Hügel hinauf. Hier ob sollte man stehen bleiben und mal um sich gucken. Von hier kann man Bryce Canyon wirklich sehen. In seiner ganzen Pracht.

Nachdem wir uns satt gesehen haben und der Film in der Kamera fast voll ist 🙂 geht es weiter. Wir fahren von unten ran. Raus aus dem Park biegen wir aber erst rechts ab. Wer ein Stückchen von Bryce sehen will, aber keinen Eintritt zahlen, der fährt zum Fairyland Point. Dieser ist kurz vor der Park-Mautstelle. Von hier kann man runter gucken, sieht ein paar Hoodoos und ein bisschen was von der Größe des Canyons. Doch jetzt geht es wirklich runter. Wir fahren bis Tropic, dem nächsten größeren Ort, dann biegen wir rechts in die W100N ab und folgen der Strasse auf den Bryce Way. Dieser ist nicht asphaltiert und führt uns an den unteren Bereich des Nationalparks. Hier gibt es nur ein bisschen zu sehen, denn ein Zaun stoppt uns. Wer aber möchte kann hier zu Fuß auf einem Trail weiter laufen und die Pracht von unten bestaunen.

Wir machen das nicht. Unser Plan war wirklich nur mal gucken und dann nach Escalante zu fahren. Hier soll es einen Petrified Forest geben. Gibt es wirklich, es ist ein State Park und kostet sechs Dollar pro Fahrzeug. Eigentlich ist es aber ein Campingplatz an einem Wasserreservoir. Doch, einen Petrified Forest gibt es. Im Prinzip. Eine kleine Runde mit ein paar Stücken versteinertem Holz und einem Pflanzenlehrpfad gibt es direkt am Parkplatz. Von hier führt auch ein 1,6 Kilometer-Rund-Trail durch den „Petrified Forest“ auf dem es dann laut Schild nach 800 Meter die ersten versteinerten Bäume zu sehen gibt. Das Geld ist das ganze nicht wert und von Bryce Canyon ist es den Ausflug nicht wert.

Also geht es wieder zurück und in Cannonville, das ist kurz vor Tropic, links auf den Kodachrome Way. Kodachrome Basin wartet am Ende des Weges, doch da wollen wir gar nicht hin. Wir fahren bis der Asphalt endet und die Cottonwood Road beginnt. Die Cottonwood Road führt gut 42 Meilen bis zum Highway nach Page. Hier wollen wir am nächsten Tag fahren und nun schon mal ausloten wie die Straße wirklich ist. Sie ist nicht asphaltiert und besteht grösstenteils aus Sand und Stein, teilweise dicht an einem Flussbett entlang, das normalerweise trocken ist. Neben der Zufahrt gibt es ein Schild „Impassable when wet“. Nachts zuvor hat es geregnet und der Anfang besteht aus Sand. Dieser ist nass. Wir fahren einfach mal rein, doch nach ein paar hundert Meter wenden wir wieder. Befahrbar ist das ganze, doch wir wollen uns nicht weiter hinten festfahren. Sollte es nicht regnen wird es die Route für den nächsten Tag, denn bis dahin sollte es weiter getrocknet sein. Wenn nicht haben wir eine Alternativroute. Für die Cottonwood Road muss man gut zwei bis drei Stunden einrechnen und dann hat man noch nicht viel gesehen. Auf jeden Fall sollten die 42 Meilen als Tagestour geplant werden, eine zusätzliche Speicherkarte für die Kamera ist wohl angeraten.

Auf dem Rückweg, schon wieder ein paar Meilen auf asphaltierter Strecke, kommt uns ein Miet-SUV entgegen. Wir halten an und werden gefragt ob es die Strasse nach Page ist. Nachdem wir es bejahten und erklärten, wie der Zustand der Straße ist und dass es jetzt, 17 Uhr, doch etwas spät sei, wurden wir auf deutsch begrüßt. Wir erklärten noch mal und schlugen vor, sie sollten es sich einfach ansehen. Wir fuhren zurück ins Hotel.