Da haben wir also den Salat. Es hat geregnet. An sich ist das nicht so schlimm, denn die Temperaturen sind wieder über den Gefrierpunkt geklettert. Doch unseren Plan, die Cottonwood Canyon Road zu fahren, streichen wir. Im Matsch stecken bleiben, darauf haben wir keine Lust. Wie am Vortag besorgen wir uns im General Store des Best Western Rubys Inn Kaffee und Donuts. Zwei Dollar werden wir dafür los. Dabei belächeln wir die meterlange Schlange der Busfahrertouren, die am acht Dollar teuren Frühstücksbuffet ansteht.

Draussen ist es noch dunkel, als wir vor dem losfahren an der Tankstelle noch unseren Tank auffüllen. Es wird gerade erst richtig hell, als wir am Besucherzentrum des Red Canyon ankommen. Dieses hat nicht nur geschlossen, weil es so früh ist, zusätzlich ist der Parkplatz auch noch wegen Bauarbeiten komplett abgesperrt. Nicht schlimm, denn wir brauchen nur ein paar Informationen für einen Earthcache und für ein paar Fotos kann man auch in der Zufahrt halten.

Unser Weg führt uns über die bedeutend längere Strecke Richtung Lake Powell, auf dem Highway nach Kaibab.  Die Hälfte der Strecke sind wir bei der Ankunft schon gefahren. Wir kommen auch an der Abzweigung unseres Schneeabenteuers vorbei. Noch vor Kaibab folgt dann der erste Stopp. Die Pink Coral Sand Dunes sind groß am Highway 89 ausgeschildert. Wir folgen den Schildern, doch die Landschaft ändert sich nicht. Wo denn hier Sanddünen sein sollen fragen wir uns. Doch dann, nach zwölf Meilen, tauchen sie plötzlich auf. Nicht so pink wie wir dachten, doch eindeutig rosa, auch nicht so riesig und zahlreich wie erwartet, aber doch imposant. Allerdings fragen wir uns jetzt, wo denn hier ein State Park sein soll. Menschen mit Quads und anderen Offroad-Fahrzeugen kurven kreuz und quer über die Dünen.

Nach einer Weile folgt dann eine Einfahrt, eine offene Schranke, Self Service beim Eintritt bezahlen – oder auch nicht. Da kann jeder selbst entscheiden, wir würden dazu raten, den Park zu unterstützen und legal zu bleiben. Ein Campingplatz gehört natürlich auch dazu, scheint Standard in State Parks zu sein. Wir entscheiden uns dann doch noch dazu, die sechs Dollar in einem Umschlag zu stecken und einzuwerfen. Kaum sind wir auf dem Parkplatz an den Infotafeln zu den Dünen angekommen, befährt auch schon der Ranger das Gelände. Gute Idee mit dem Bezahlen.

Direkt am Parkplatz gibt es eine Plattform, von der aus die Dünen gut beobachtet werden können. Bisher kenne ich nur die Wanderdünen von Norddänemark und von Fuerteventura. Doch das hier hat noch eine ganz andere Dimension. Das Dünengebiet erstreckt sich weiter über das Blickfeld. Links davon beginnt ein Lehrpfad, alle hundert

Meter steht ein Schild mit Informationen zu den Pflanzen. Am dritten überlegen wir umzukehren, am vierten denken wir uns, so lang kann der Trail ja nicht sein, und ab dem fünften Schild laufen wir weiter, jetzt, da wir schon mal so weit sind. Es sollen noch viel mehr werden, und interessant wird es auch noch. Über ein weites Stück Wüste und Sanddünen stapfen wir und lernen so einiges darüber. Nur Wasser haben wir im Auto vergessen. Am Ende holt Ishtar aus jedem Schuh eine Tasse Sand. Rosa Sand natürlich.

Auf dem Rückweg biegen wir rechts ab, folgen einer anderen Strasse zum Highway 89 zurück und fahren weiter in Richtung Page. Kurz vor Page landen wir unerwartet am Glen Canyon Dam, der den Lake Powell zum zweitgrößten Stausee der Vereinigten Staaten aufstaut. Sicher, wir wussten, dass wir dran vorbei kommen, aber dass er einfach so neben der Strasse auftaucht. Wie schon der Lake Mead ist der Lake Powell auch nichts anderes als eine große verzweigte Wasserfläche, die sich um den ehemaligen Fluss herum ausgeweitet hat. Wäre genug Wasser da, würden wir auch was davon sehen. So sehen wir nur die hellen Kanten an den Felsen, an denen das Wasser stehen würde. Am Damm, genauer an der Staumauer, da steht noch Wasser. Das Besucherzentrum hier wurde schlau geplant und direkt über den Damm gebaut. Die Sicht ist jedenfalls gut.

Page selbst ist eigentlich keiner Rede wert, es ist eine komplett künstlich für den Lake Powell bzw. den damaligen Bau des Staudamms angelegte Siedlung. Eine innenliegende Ringstraße bildet den Kern. Innerhalb der Ringstrasse sind Schulen und Sportanlagen, ausserhalb Kirchen. Sternförmig führen die Wohnstrassen auf einer Hälfte ab. So kam es uns vor Ort vor. Auf der Karte sieht das lustigerweise ganz anderes aus. Einzig der Safeway mit seinem guten Angebot fällt auf. Die ganzen Zufahrten zum Lake Powell liegen entweder auf der anderen Seite das Damms oder eine ganze Fahrtstrecke in die andere Richtung. Aber wir verstehen inzwischen, warum wir so viele Boote auf Anhängern in einer Wüstengegend gesehen haben. Wir checken in unser Hotel am Rande der Stadt ein und fahren dann noch ein paar Meilen nach Süden. Hier ist es noch eine Meile Fußmarsch und wir sind am Horseshoe Bend.

„Nur“ 300 Meter geht es hier steil nach unten, nicht viel nach dem, was wir bisher gesehen haben. Doch der enge Bogen ist trotzdem beeindruckend. Näher ran kommt man hier nur mit dem Boot, so wie die unten am Ufer, die dort campen. Doch hier oben ist der Ausblick besser. Antelope Canyon lassen wir aus, weil es hier nur für 80 Dollar aufwärts Touren zu buchen gibt. Frei bewegen kann man sich dort nicht. Somit bleibt der Horseshoe Bend die einzige große Attraktion in Page, und wir für den Rest des Tages, an dem es auch schon recht spät ist, im Hotel.