Wir haben noch ein paar Tage bis zum Rückflug und überlegen, was wir machen können. Yosemite ist nicht weit, doch auch wenn der Schnee dieses Jahr nicht oder fast nicht existent ist, wurde der Park in den Winterbetrieb versetzt, und viele Ecken, die wir uns gerne ansehen würden, sind nicht anfahrbar.

Also entschliessen wir uns, an die Westküste zu fahren. Wir wollen den Pacific Coast Highway von Monterey bis Los Angeles fahren. Doch die Strecke von Ridgecrest nach Monterey ist weit, und wir haben durch Zufall ein nette kleine Übernachtungsmöglichkeit in Paso Robles gefunden.

Das Inklusiv-Frühstück in unserem Motel entspricht dem üblichen Standard, und so sind wir schnell mit einem Kaffee auf der Strasse. In Ridgecrest verfahren wir uns noch kurz. Wie konnten wir auch damit rechnen, dass die Hauptstrasse direkt an die Einfahrt der Navy Base führt, und die kleine Seitenstrasse die Durchgangsstrasse ist? So stehen wir also vor der dreispurigen Einfahrt in die Navy Base und versuchen in der Rush Hour über alle drei Spuren zu wenden.

Wir tanken in Inyokern, dem nächsten Ort, und folgen dann Highway 178, der zwar gut ausgeschildert ist, aber unerwartete Abbieger hat. Die Strasse heisst auch Isabelle Walker Pass Road. Erst führt die Strasse noch durch flache Wüste, doch dann kommen wir recht bald in die Berge. Ab dem Walker Pass wird die Landschaft spannender. Wir fahren durch Farmland, es wird grüner, ab und zu schlängelt sich ein Fluss an der Strasse lang, und wir sind froh, uns für diese Nebenstrasse entschieden zu haben.

USA 2014 - Tag 19

Nach einigen Ansiedlungen landen wir an Lake Isabella. Klingt romantisch, ist aber ein Stausee, dessen Damm 1953 gebaut wurde. Der gleichnamige Ort wurde deswegen damals einfach mal so eben 2,4 Kilometer verlegt. Wassersport ist der Hauptzweck inzwischen, und eine der Haupteinnahmequellen des Ortes.

Wir dachten, wir könnten eine schöne kleine Pause an Lake Isabella machen, doch neben einem Campingplatz und vielen Ecken, an denen man sein Boot zu Wasser lassen kann, finden wir keinen Haltepunkt mit kleiner Picknick-Area. Der See könnte zudem noch etwas Wasser gebrauchen. Durch den schneearmen Winter fehlt da so einiges.

Von Lake Isabelle weg ist der Highway 178 noch vierspurig. Doch dann trifft er auf den Kern River und schlängelt sich durch den Kern Canyon. Aus vier werden erst drei, dann zwei Spuren, die sich noch weiter verengen. Fast schon romantisch geht es durch die wilde Schlucht, viele Buchten bieten sich als Ausweichstellen für langsamere Fahrzeuge und Trucks an, aber auch als kurze Haltepunkte zum gucken. Die Landschaft ist toll, und wir freuen uns jetzt wirklich, diesen Weg statt den Interstate gewählt zu haben.

USA 2014 - Tag 19

Kaum sind wir aus dem Canyon raus, umgibt uns wieder flaches Land. Wir sind kurz vor Bakersfield. In der offenen Wüste wurden hier viele künstliche Siedlungen aus dem Boden gestampft. Daneben liegen Orangen- und Mandelplantagen mit einem Bewässerungsirrsinn, über den man besser nicht nachdenken sollte.

Wir suchen uns unseren Weg durch Bakersfield, was auf der Karte und den Satellitenbildern wie ein großer Moloch aussieht. Von Innen ist es aber dank Schachbrettmuster und vielen flachen, zersiedelten Häuserblocks ganz übersichtlich. Wir finden den Interstate 5, den wir durch Bewässerungs-Farmland nach Norden fahren, bis wir an die Abfahrt von Highway 46 nach Paso Robles kommen.

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Auch auf der 46 fahren wir an Plantagen vorbei, doch es werden weniger, und bald wird es auch wieder bergig. Mitten im Nichts taucht dann plötzlich auf halber Strecke ein Truck Stop auf. Davor das James Dean Memorial. Hier starb James Dean 1955 bei einem Autounfall in seinem Porsche. Auch dies ist ein Ort, den wir nicht gefunden und mit dem wir auch nicht gerechnet hätten, wären wir nicht dran vorbei gefahren.

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Kurz vor Paso Robles erregt ein Schild unsere Aufmerksamkeit. Es wirbt für das Estrella Warbird Museum. Das kannten wir nicht. Wir folgen einfach mal dem Wegweiser. Vor dem Jugendknast wenden wir, weil wir einen Abbieger verpasst haben. Hinter dem regionalen Airport finden wir dann das Museum und sind überrascht.

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Uns begrüßt die Tochter des Hauses, und wir kaufen Tickets. Sie stellt ihren Vater vor, der das Museum gegründet hat. Dieser erklärt uns erst mal, wo was ist, und stellt uns dann wiederum einem anderen Gast, einem Dänen, vor. Nach einem kurzen Smalltalk sehen wir uns in der Halle um, in der viele Modelle, Uniformen, Bilder und Flugzeugteile ausgestellt sind. Hinter der Halle erwarten uns dann einige alte Flugzeuge.

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Bei uns undenkbar: es gibt nicht mal einen Zaun, der das Museumsgelände vom Flugplatz trennt. Ein Pilot zieht seinen kleinen Flieger per Hand aus einer Halle quer durch das Museumsgelände auf die Rollbahn. Wir finden es hier nett – klein und heimelig. Dieses Flugzeugmuseum gehört sicher zu den unbekannten Perlen.

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Zwei weitere Hallen beherbergen eine Ausstellung mit Militärfahrzeugen und das Woodland Auto Display mit vielen alten Rennwagen und dem ersten Wohnmobil, einem Original 1929er Reo Speed Wagon.

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Wir fahren nach Paso Robles hinein. Und wir sind erstaunt. Es ist ein hübsches kleines Städtchen. Und es gefällt uns auf Anhieb. Wie viele andere amerikanische Städte ist es im Schachbrettmuster aufgebaut, doch hier scheinen die Blöcke nicht größer als 200 Meter zu sein. Wir bekommen direkt am Park mitten in der Stadt einen Parkplatz, spazieren durch den Park und kaufen in einem Feinkostladen Brot und Salami für das Abendessen. Die erste richtige Wurst seit Wochen.

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Dann versuchen wir die Wild Coyote Winery zu finden. Die liegt etwas ausserhalb auf einem Hügel und nach drei bis vier mal wenden und zurückfahren finden wir auch hin. Es ist nicht nur ein Weingut, das als House of Reds bekannt ist, sondern auch ein Bed & Breakfast mit nur fünf kleinen feinen Casitas, wie sie es nennen.

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Wir werden nett begrüßt und zu unserer Casita mit dem Namen Navajo geführt. Dabei erfahren wir, dass wir genau das haben werden, was auf der Website mit „Romantic Hideaway“ bezeichnet ist. Wir werden die einzigen Gäste sein und die Anlage für uns haben. Die Inhaber wohnen im Haupthaus, und das ist noch ein Stück weg.

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Der Blick vom kleinen Balkon ist dank der Trockenheit, die gerade in Kalifornien herrscht, etwas grau, aber nett. Die Einrichtung im Pueblo Stil ist schick. Neben dem großen Bett haben wir ein Bad mit einer der größten Wannen der Reise und einen Gaskamin.

Draussen neben der Terrasse wartet noch ein Hot Tub, aber der muss warten, denn im Preis ist natürlich eine Weinprobe mit drin. Dabei erfahren wir, dass hier wirklich nur rote Weine („no whimpy whites“) produziert werden, und diese dann auch big bold red sind. Nur ein einziger ist ein Rosé, und selbst der hat er schon in sich. Es sind insgesamt zehn Weine, die immer kräftiger werden. Da wir die einzigen sind und wir wohl auch dem Mann hinter der Theke Spass machen, werden auch die Schlücke zum Probieren kräftiger.

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Leicht schwankend geht es für uns zurück zur Casita, wo wir erst mal unser Brot und unsere Wurst zum Sonnenuntergang geniessen. Leider ist im Zimmerpreis auch eine Flasche Wein inklusive. Und auch die ist recht lecker.

Draussen wird es kalt, wir machen den Kamin an und es uns gemütlich. Sicher ist die Wild Coyote Winery eine der teuersten Unterkünfte der Reise, aber wohl auch die schönste. Manchmal muss man es sich eben gut gehen lassen.