Es wird gerade hell, als wir aufstehen. Geplant ist das so nicht, schlimm ist es aber auch nicht. In der Kaffeemaschine im Motelzimmer des High Desert Motel machen wir uns einen Kaffee, den wir in der Klean Kanteen mitnehmen. Wir werden ihn sicher unterwegs gegen die Eintönigkeit brauchen.

Schnell ist alles gepackt und im Auto verstaut. Der Zimmerschlüssel ist eben so schnell abgegeben, und wir stehen vor einem Problem. Die kalte Luft in der Nacht hat die Scheibe vereist. Eiskratzer gibt es in Mietwagen aus Kalifornien natürlich nicht. Mehr schlecht als recht verwandeln wir eine Bonbondose mit abgerundeten Ecken zum Eiskratzer und können los.

Im nächsten Ort tanken wir noch schnell voll, denn es geht in die Wüste. Von Joshua Tree aus führen nicht viele Wege in die Mojave National Preserve, die unser Ziel ist. Man kann links oder rechts in großem Bogen über die Interstate fahren – oder die Amboy Road. Im Grunde ist diese Strasse schnell beschrieben: Von Twentynine Palm führt sie X Meilen nach Osten, macht dann eine 90-Grad-Kurve, und führt weitere X Meilen nach Norden. Entsprechend eintönig ist die Fahrt. Hauptsächlich ist Wüste rund um uns herum.

Den spannendste Teil erleben wir auf halber Strecke nach Norden, als wir in weiter Ferne blinkende Lichter sehen. Beim Näherkommen stellen wir fest: Highway Patrol. Doch als wir vorbei rollen, sehen wir wie ein donut-gerundeter Polizist neben seinem Fahrzeug steht und einem gestrandeten Transporter mit Anhänger beim Reifenwechsel zusieht.

Kurz vor Amboy an der Route 66 sind noch Hersteller von Salz zu finden. Auf Bildern haben wir türkisgrüne Wasserbecken gesehen. Heute ist alles brauner Matsch. Wir sind wohl zur falschen Zeit hier. Als die Route 66 noch lebte, war Amboy ein bedeutender Stop auf der Strecke. Heute sind nur noch 10 Gebäude über. Die Einwohnerzahl wird mit 4 angegeben. Die Hauptattraktion ist Roy’s Cafe & Motel, ein altes Firmenschild zeugt noch von den guten Jahren, mit einer Tankstelle und einem kleinen Laden. In der Nähe gibt es ausserdem einen Vulkankrater, den man über einen Trail besteigen kann. Das war es. Eben ein netter kleiner Fotostopp.

Wir folgen ein Stück der Route 66. Im Grunde ist sie nichts anderes als ein weiterer langweiliger Wüstenhighway. Bald biegen wir nach Norden in Richtung Mojave und Kelso ab. Nachdem wir den Interstate 40 passiert haben, beginnt auch schon die Mojave National Preserve. Schilder mahnen zur Vorsicht vor so ziemlich allem. Auch vor Schildkröten.

Drei Meilen Schotterpiste bringen uns zu den Kelso Dunes. Schon von weitem haben wir die Dünen gesehen, und sie werden immer größer, um so näher wir kommen. Kein Wunder, ist doch das Dünenfeld 120 Quadratkilometer groß und die höchste Düne 200 Meter hoch. Am Parkplatz angekommen haben wir die Dünen mit zwei anderen Fahrzeugen für uns alleine. Wir lieben die Nebensaison.

Mit dem Fahrzeug dürfen wir nicht auf die Dünen, aber ein Trail führt hinein. Wir gehen ein Stück auf die erste Düne und sind beeindruckt von den Ausmassen. Wer möchte, kann sich die Dünen komplett erwandern. Wir haben allerdings noch andere Pläne. Trotzdem bleiben unsere Blicke noch ein ganze Weile an den Dünen hängen. In der sonst karg bewachsenen Wüste sind die Kelso Dunes ein echter Hingucker.

Wir fahren die Schotterstrasse wieder zurück und weiter nach Norden zum Kelso Depot. Das Kelso Depot liegt an einer der Hauptkreuzungen des Mojave National Preserve. Hier ist in einem alten Bahnhof das Visitor Center untergebracht. Im Prinzip hat es immer offen. Ausser Mittwochs und Donnerstags. Wir sind an einem Mittwoch hier.

Die Bahnstrecke ist noch in Betrieb, und so beobachten wir noch den Güterzug, der hier durch fährt. Viel zu sehen gibt es am Depot nicht. Lediglich ein paar Info-Schilder, das wirklich schöne alte Bahnhofsgebäude, aus dem man viel mehr machen könnte, und den Rest von Kelso, der als mehr oder weniger erhaltene Ghosttown vor sich hin rottet.

Wir fahren weiter nach Norden. In Richtung Baker liegen noch die Cinder Cones und Lava Beds. Wir haben keine wirkliche Motivation auf einer Strasse, deren Einfahrt wir nicht gefunden haben und für die wir ein besser ausgestattetes Fahrzeug gebraucht hätten, direkt an die Krater heranzufahren. Die Strasse von Kelso nach Baker ist selbst schon in einem Zustand, der eine Grundsanierung gebrauchen könnte. So einige Dirt Roads lassen sich besser fahren.

In Baker an der I-15 machen wir eine Pause und gönnen uns einen Mittagssnack. Dabei sehen wir uns auf unserem GPS um und finden einen Earthcache mit dem Namen Soda Lake. Es ist nicht weit und klingt ganz nett. Auf dem Weg dahin kommen wir zur Abfahrt „Zzyzx Road“. Ausgesprochen wir das dann aber „siesex“. Natürlich führt die Strasse nach Zzyzx, welches auch früher Camp Soda oder Soda Springs genannt wurde.

Von 1944 bis 1974 lag hier das „Zzyzx Mineral Springs and Health Spa“. Der Name wurde vom Gründer, Curtis Howe Springer, so gewählt, dass es garantiert der letzte Wort der englischen Sprache ist. Heute ist hier das Desert Studies Center der California State University beheimatet. Spannender sind aber die Überreste der Palmenalleen und der Anlagen des Spa.

Die Hauptattraktion ist allerdings der Soda Lake, den man nicht nur am ehemaligen Spa, sondern auch schon vorher von der Strasse aus sieht. Eigentlich ist es nur eine große weisse Salzfläche. Doch der Anblick ist beeindruckend, dass wir von der ganzen Ecke hier begeistert sind.

Zurück geht es dann auf der I-15 bis nach Primm. Kurz vorher wird es immer heller, und die Wüste scheint zu strahlen. Warum, sehen wir, als wir aus der Bergkette in das Tal hinunter fahren. Die riesige Anlage des weltgrößten Sonnenwärmekraftwerks Ivanpah liegt vor uns. Sechzehn Quadratkilometer ist die Gesamtanlage groß. Das sah nicht mal von der Strasse aus so groß aus.

Direkt an der Grenze von Kalifornien nach Nevada gelegen, ist Primm nichts anderes als eine Casinostadt, nicht ein mal eine echte Stadt. Drei Casinos teilen sich die Fläche, gehören aber alle dem gleichen Betreiber.

Dazu gehört eine dunkle Outlet-Mall, die aussieht als wäre sie seit den 70ern nicht mehr renoviert worden. Auch die Essensoptionen sind nicht gerade üppig. Der einzige Vorteil sind die billigen Zimmerpreise. Genau deswegen haben wir uns diesen Ort auch ausgesucht und übernachten bei Whiskey Petes.