Casinos haben dünne Wände. Nach einer recht unruhigen Nacht sind wir früh wach und checken mit den ersten Sonnenstrahlen aus. Auf dem Weg zum Auto fällt mir ein, dass ich meine Jacke vergessen habe. Mit der Rechnung gehe ich schnell zur Rezeption zurück, trage mein Anliegen vor, und ernte skeptische Blicke. Irgendwann fragt mich die Frau dann nach dem Vornamen der Reservierung. Ich nenne ihn. Nicht dass ich ihn nicht auch von der Rechnung abgelesen haben könnte. Aber sie fühlt sich jetzt sicherer, dass alles so richtig ist, und ich bekomme eine Türkarte. Kurz darauf komme ich mit der Jacke wieder aus dem Zimmer. Sie meint noch, ohne wäre es etwas kalt. Ja, in der Tat, das ist es, denn wir haben in der kalifornischen Wüste Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Zwei Männer, die mit uns ausgecheckt haben, sind eben so begeistert von Primm wie wir. Sie nehmen den Hinweis auf den Starbucks in der Tankstelle gerne entgegen, nachdem sie schon gemeckert hatten, dass es hier nicht mal einen Starbucks gibt. Wir begnügen uns mit vier Donuts und dem Tankstellenkaffee. Zusammen kostet das sicher nicht mal so viel wie ein Kaffee von Starbucks.

Über die I-15 fahren wir ein kurzes Stück nach Süden und biegen dann in Richtung Nipton ab. Über die Morning Star Mine Road fahren wir bis Cima. Und wir sind wieder im Mojave National Preserve. Cima ist nicht viel mehr als ein verlassenes Eisenbahndepot. Hier stehen noch ein paar alte Gebäude und ein paar alte Autos herum. Damit hat es sich auch schon.

Über die Cima Road fahren wir ein Stück nach Norden, bis wir zu einem Weltkriegsdenkmal kommen.

Das hatten wir nicht auf dem Plan, sondern die nahen Earthcaches. Jetzt fällt sogar leichter Schneegriesel, doch auch das vergeht schnell wieder. Die Earthcaches zeigen ein paar schöne Gesteinsformationen mit Steinadern hindurch. Spannend, aber nicht weltbewegend.

Auf der Cima Road fahren wir wieder nach Süden, bis wir zur Cedar Canyon Road kommen. Hier überqueren wir die Bahnstrecke, die wir schon am Tag zuvor in Kelso gesehen haben. Auf der Cedar Canyon Road verlässt uns dann auch der Asphalt. Nach einer kurzen Schotterstrecke wird es sandig. Während wir noch versuchen auszuloten, wie schnell wir auf der Piste fahren können, rast uns ein Ranger entgegen und verschwindet mit Affenzahn im Rückspiegel.

Bald darauf kommt ein Fahrzeug von hinten. Es holt recht schnell auf, und ich mache etwas langsamer, um ihm eine Chance zu geben, uns zu überholen. Doch der Fahrer will nicht. Nach einigen Kurven wissen wir, dass es ein Ranger ist. Er folgt uns in immer gleich bleibenden Abstand über die enger werdende Sandpiste.

Wir biegen in die Black Canyon Road ab und folgen dieser einem trockenen Flussbett entlang. Die Fahrt dauert eine ganze Weile, wir haben einen Bodyguard hinter uns, und wir schlängeln uns den Canyon entlang. Es wird immer enger und kurviger, bis wir dann plötzlich auf einer Ebene landen. Gerade als es wieder asphaltiert wird, biegt unser Schatten links ab zur Ranger Station, die wir sehen. Wir fahren kurz darauf rechts und sind bei Hole-in-the-Wall.

Das Visitor Center hat wegen Bauarbeiten zu. Wir machen uns also gleich auf zum Ring Trail. Wir hatten uns den Hole-in-the-Wall-Trail etwas anders vorgestellt. Es geht erst mal weit nach unten. Nach dem ersten Gefälle beschliesst Petra, zurück zu gehen, und sich statt dessen einen Aussichtspunkt anzuschauen. Ich gehe weiter und komme zum nächsten Gefälle, an dem ich über in den Felsen gehauene Stahlringe nach unten steigen muss.

Hier geht das noch, und ich gehe weiter. Das nächste Gefälle erwartet mich dann mit einem engen Felsdurchgang und Stahlringen. Hier weiss ich, das wird nichts. Alleine will ich nicht weiter gehen. Hier wäre ich ohne Sicherung oder Hilfe nicht wieder hoch gekommen. Trotzdem ist das, was wir gesehen haben, atemberaubend, und wir werden wohl noch mal hier vorbei kommen müssen.

Wir wenden uns mit dem Auto nach Süden zum Interstate. Da wir jetzt massig Zeit haben, beschliessen wir, auf der Route 66 weiter zu fahren. In Essex fahren wir auf und folgen dem historischen Highway, bis wir auf Highway 95 treffen. Viel spannendes haben wir nicht gesehen.

Von hier geht es über den Interstate bis Needles. Und von dort „arbeiten“ wir uns den Colorado entlang über Mohave Valley, Fort Mohave und Bullhead City nach Norden vor. Wir sehen uns die kleinen Dinge an, die oft an Historic Markers zu finden sind. Meist sind die aber auch unspannend, und es steht nur noch eine Plakette zur Erinnerung.

Übernachten werden wir in Laughlin. Als wir von Bullhead City, Arizona, die Casinostadt Laughlin, Nevada, auf der anderen Seite des Colorado sehen, haben wir schon Befürchtungen, dass es so schlimm wie in Primm wird. Ein Casino-Hotel, das Colorado Belle, hat sogar die Form eines Mississippi-Dampfers.

Doch das Tropicana, in dem wir günstig ein Zimmer bekommen haben, liegt gut, ist aufgeräumt und nicht angestaubt, hat vernünftige Zimmer, und wir haben sogar eines mit Coloradoblick. Einzig die Essensoptionen sind hier etwas dünn gesät. Da wir nicht mehr weit fahren wollen, laufen wir zum In-and-Out-Burger gegenüber. Der berühmte Burger dort ist allerdings nicht wirklich lecker.