Laughlin ist nur ein Zwischenstop auf einer längeren Strecke, den wir auch hätten auslassen können. Allerdings konnten wir nicht wissen, dass wir am Vortag beim Hole-in-the-Wall nicht weit kommen würden. Im Tropicana Casino & Hotel haben wir im billigen Zimmerpreis sogar Frühstück am Buffet inklusive. Wir machen uns vom Hotelblock entsprechend früh auf, um uns das ganze anzusehen.

Dafür müssen wir aber erst ein mal durch das Casino, welches heute früh immer noch hübscher wirkt als ganz Primm. Das Buffet ist in der hintersten Ecke, also nicht ganz so einfach zu finden. Die Auswahl und die Qualität des Angebotenen fällt allerdings unter „muss man nicht haben“. Immerhin gibt es richtige Teller und richtiges Besteck im Vergleich zu dem ganzen Styrofoam-Wahn, der uns auf dem Rest der Reise begleitet.

Wir packen und fahren los. Unser Tank ist noch über halb voll, und wir rechnen uns aus, dass wir damit gut durchkommen werden. Also fahren wir gleich auf den Highway 68 in Richtung Golden Valley und dann weiter auf Highway 93 bis nach Kingman. Hier stoppen wir erst einmal, um uns ein paar Route 66-Memorabilia anzusehen. Im Route 66 Visitor Center gibt es ein Museum, gegenüber eine alte Lok und ein Diner im alten Stil. Ab hier hätten wir einfach die Interstate 40 durchfahren können, doch wir entscheiden uns für die Mother Road, die Route 66.

Wir hätten uns die Strecke spannender vorgestellt. Und etwas flacher. Immer wieder geht es auf und ab in den Bergen. Die Landschaft bietet wenig Abwechslung. Nur ab und zu steht mal etwas altes herum, das sich für Fans anzugucken lohnt. Meist sind es rostende Autos. Doch an diesem Streckenabschnitt können wir den Hype um die Route 66 nicht verstehen. Wir fahren nicht zum Grand Canyon Skywalk ab, der sehr abgelegen und teuer ist. Auch die Grand Canyon Caverns, ein paar Höhlen, die im Internet als Rip-off bezeichnet werden, lassen wir aus.

Immer weiter nähert sich die Tanknadel dem Boden. Das dauernde Auf und Ab geht auf den Verbrauch. Eine Tankstelle ist nirgends in Sicht. Als ich mich schon darauf einstelle, in den langsamen Spritsparfahrmodus zu gehen, taucht auf einer Ebene eine Tankstelle auf. Rund herum ist nichts. Fast könnte es eine Fata Morgana sein. An der Zapfsäule habe ich kein Glück, denn ich muss eine Postleitzahl eingeben, was mit deutschen Kreditkarten nicht funktioniert. Also gehe ich in den Shop, wo man mir berichtet, es gäbe im Moment Probleme mit der Datenleitung. Super, denke ich mir, und kaufe mir einen Kaffee mit dem verbliebenen Dollar in meinem Geldbeutel. Endlich hat der resident Geek das Modem gebootet, und die Angestellte an der Kasse erzählt mir, das sei schon das fünfte Mal heute. Dann aber funktioniert es, und wir freuen uns beide. Petra beäugt inzwischen draussen fasziniert einen alten Indianer in Bluejeans und handbestickter Lederjacke und Cowboyhut, der mit einer jüngeren Indianerin ein Schwätzchen an der Zapfsäule hält.

Mit vollem Tank segeln wir etwas später in Seligman ein. Man sieht, dass der Ort direkt an der Interstate liegt. Abgesehen davon, dass fast alles zu hat, ist man hier komplett auf Touristen ausgelegt. Alles sieht aus, als wäre die Route 66 noch eine Hauptverkehrsstrasse, nur etwas abgewohnter. Alte Autos stehen in Massen herum. Es gibt viel zu gucken.

In Seligman geht dann die Route 66 in den I-40 über. In Williams, hier startet auch die historische Bahn zum Grand Canyon, fahren wir ab, versorgen uns bei einem Safeway mit dem nötigsten für die nächsten zwei Tage, und fahren die Route 64 bis nach Valle. Hier wartet das Planes of Fame Museum auf uns. 2012 standen wir schon mal hier, allerdings vor verschlossenen Türen.

Dieses Mal ist geöffnet, und wir werden schon am Eingang freudig begrüßt. Viele Besucher scheinen hier nicht zu halten. Der Eintritt kostet 6 Dollar, mit Tour durch die Super Constellation 9 Dollar. Die Sammlung ist klein aber schick. Uns gefällt es hier sogar besser als im schön hergerichteten Museum in Palm Springs. Mit einem Augenzwinkern werden wir, nachdem wir sagen, dass wir aus Deutschland sind, auf die deutschen Flugzeuge hingewiesen. Als wir gehen wollen, entwickelt sich noch ein Gespräch über alte und neue Flugzeuge, die Super Conny, Hamburg, Airbus und den A380.

Wir fahren weiter zum Grand Canyon. Als wir das letzte mal hier waren, haben wir nach kurzer Zeit entnervt aufgegeben, weil einfach zu viele Leute hier waren. Jetzt, außerhalb der Saison, haben wir den Vorteil, dass wir die Hermits Road befahren dürfen. Sonst ist das nur mit dem Shuttle-Bus möglich. Wir haben die Strasse mit wenigen Fahrzeugen für uns alleine.

Mit dem Schnee überzuckert sieht der Grand Canyon gleich mal noch viel schicker aus. Dieses mal können wir den Anblick an den Aussichtspunkten geniessen. Wir haben sie fast alle für uns alleine, die Aussicht ist grandios. Und wie so oft, es lässt sich weder in Bildern einfangen noch in Worte fassen.

Selbst der festgefrorene Schnee, der den einen oder anderen Aussichtspunkt zur Rutschpartie werden lässt, macht Spaß. Die Bäume glitzern mit Schnee und Eis in der Sonne, und wir sind mit dem Grand Canyon versöhnt.

Langsam „arbeiten“ wir uns von Hermits Rest die Aussichtspunkte zum Grand Canyon Village vor. Wir gehen ins Museum am Yavapai Point, und dann wird es nach dem langen Tag auch schon langsam dunkel. Direkt südlich vom Eingang des Parks liegt Tusayan. Hier haben wir die Red Feather Lodge gebucht. Auch eine Wahl, die wir im Sommer nicht getroffen hätten. Off-Season-Reisen hilft auch sparen.