Nun sind wir mal ehrlich. Wenn wir den Titel dieses Buches lesen, was erwarten wird dann? Sicher etwas Unanständiges? Ja, man könnte es so hinein interpretieren. Aber Gott sei Dank gibt es dann noch den Untertitel, der den wahren Sinn des Buches erläutert: Geniessen und Wandern – Odenwald & Bergstraße. Und so handelt es sich nicht um eine Anleitung mit der man das Picknick besonders erotisch gestalten könnte, sondern um einen handfesten Wanderführer mit Einkehrtipps.

Da ich, obwohl ich in Hamburg lebe, im Odenwald geboren bin, finde ich dieses Buch noch ein Stück interessanter. Einige Orte kenne ich schon, einige andere sind mir neu, was gerade dann praktisch ist, wenn mal wieder die Pflicht Elternbesuch ruft.

Ingrid Schick stellt in diesem Buch 22 Genusstouren vor. Wie sie behauptet, die schönsten. Ich will ihr das auch nicht absprechen, ich finde die Touren auch alle sehr interessant. Besonders gefällt mir, dass es ausnahmslos Rundtouren sind, die an einem öffentlichen Parkplatz oder mit ÖPNV-Anbindung beginnen. Sollte das mal nicht der Fall sein, ist gleich noch eine kurze Beschreibung dabei, wie man die wenigen Kilometer vom Bahnhof oder der Bushaltestelle zum Startpunkt laufen muss. Die Information, mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln der Wanderer anreisen kann, fehlt natürlich auch nicht.

Die Tourenbeschreibungen selber sind recht kurz gehalten. Nicht mehr als eine Seite informiert über den Verlauf. Das klingt erst mal wenig, doch beim genauen Hinsehen reicht das aus. Die wichtigsten Informationen, also die Wanderzeichen, sind beschrieben, und ergänzt werden sie durch eine recht detaillierte genordete Karte mit Höhenlinien. Dazu kommt an der Seite noch die Kurzinformation über Streckenlänge und Schwierigkeitsgrad. Zusätzlich werden besondere Sehenswürdigkeiten auf Extra-Seiten beschrieben, auch sehr schön, wenn man Ausflugstipps sucht.

Das Interessante kommt aber erst nach der Tour. Die Einkehrtipps. Mindestens eins, meist zwei Restaurants an der Strecke sind erläutert. Dabei ist eine Kurzbeschreibung aber nicht alles. Besonderheiten des Speisekarten werden erwähnt und es wird gesondert auf regionale Spezialitäten hingewiesen. Die Qualität der Speisen schien der Autorin am Herz gelegen zu haben, und so scheut sie sich auch nicht, darauf hinzuweisen, wenn das Vanilleeis aus der Fabrik kommt. Auch die Warnung vor dem „Bembel des Grauens“ (4 Liter Baccardi-Cola) habe ich dankbar angenommen, da weiß ich sofort, auf was ich mich einstellen muss.

Ich finde, dieser Wanderführer ist außerordentlich gelungen. Er hebt sich von anderen durch seine frische Art positiv ab. Die Restauranttipps sind sein großer Vorteil, sie könnten fast einen eigenständigen Restaurantführer für die Gegend ersetzen. Wenn ich nächstes Mal im Odenwald bin, wird mich dieses Buch sicher begleiten, und vielleicht werde ich auch die eine oder andere Tour laufen, wenn ich nicht beim Essen hängen bleibe.

Erschienen ist dieses Buch im Cocon-Verlag und kostet 12,80 Euro.