Eher durch Zufall landeten wir an den Überresten eines römischen Wachturms. Ich selbst bin nicht weit davon aufgewachsen und wusste nicht mal, dass er existiert. Dass der Limes hier im Odenwald zwischen den Orten Breitenbrunn und Haingrund durch den Wald führte, das wusste ich schon. Aber dass hier so viele Überreste noch erhalten sind, das nicht.

Wie gesagt, durch Zufall landeten wir am Limesverlauf zwischen dem Kleinkastell Windlücke und dem Kastell Hainhaus an einem Wachturm. Ein Geocache führte uns hier her. Wir stellten unser Auto am ehemaligen Munitionslager ab. Heute wird es von Privatfirmen als Lager benutzt, und rundherum ist eine Art Windpark entstanden. Wenige hundert Meter liefen wir den Zaun entlang in den Wald hinein, und nach einem kurzen Abstecher standen wir vor den Steinresten mit dem Infoschild. Zugegeben, ich konnte nicht viel davon wissen, auch wenn hier lange vor meinem Wegzug ausgegraben und rekonstruiert wurde. Sicher streifte ich oft mit dem Fahrrad hier durch den Wald, doch so nah an den Zaun des damaligen Munitionslagers trauten sich nicht viele. Zu oft wurde man bei einem Spaziergang an der Aussenseite des Zauns entlang oder auch bei Arbeiten im Wald von bewaffneten US-Militärs auf der Innenseite des Zauns begleitet und beobachtet.

Um so überraschender war der Fund des gut erhaltenen und teilrestaurierten Wachturms. Wachposten 10/11, wie er offiziell heisst, ist der erste und einzige Steinturm in diesem Zustand am nördlichen Odenwaldlimes. Mit einer quadratischen Grundfläche von 5,1 Metern Seitenlänge war er auch nicht gerade klein. Direkt neben dem Mauerrest ist ein großer Hügel mit umlaufendem Ringgraben zu sehen, an dem ein Holzturm stand.

Passenderweise führt an dieser Stelle auch der Limeswanderweg vorbei.


Woanders:

Literatur:

 Der Odenwaldlimes: Entlang der römischen Grenze zwischen Main und Neckar

 Odenwald – Neckartal: Wanderführer mit Tourenkarten und Höhenprofilen